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Dr. Jochen Enders & Beatrix Enders-Stausebach
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Heilpädagogische Fakultät

Meine Dissertation „Seelsorge - Therapie -Aphasie" wurde begleitet von Prof. Dr. M. Grohnfeldt. Dieser gibt die Reihe „Schriften zur Sprachheilpädagogik" heraus. In dieser Reihe erschien meine Arbeit als Band 9. Als Einführung in meine Dissertation ist das Vorwort des Herausgebers besonders geeignet.

VORWORT DES HERAUSGEBERS

Der Verfasser der Schrift absolvierte als Theologe ein Studium der Sprachheil­pädagogik. Er ist als Pastor in der Seelsorge bei Aphasikern tätig und verbindet in seiner Person und beruflichen Tätigkeit Aspekte der Theologie und Heilpädagogik. „Diese Arbeit betritt Neuland" (S. 2). Mit dieser treffenden Bemerkung werden die Ausführungen eröffnet. Damit wird auf die Berührungspunkte von Pädagogik und Theologie verwiesen, die als Fachdisziplinen voneinander lernen können und bei einer gemeinsamen Aufgabenstellung sich durch ihre vernchiecfeneri Perspektiven auszeichnen. Das Ziel der Arbeit besteht darin, die positive gegenseitige Beein­flussung deutlich zu machen.

Nach einleitenden Bemerkungen zu grundlegenden Perspektiven von Seelsorge in ihrer religiösen, ethischen und therapeutischen Aufgabenstellung wird auf den Aphasiker eingegangen. Im Vordergrund steht dabei weniger das Erscheinungsbild der Aphasie, sondern das Leiden des Menschen mit einer Aphasie. Der Autor berichtet dazu von drei Beispielen aus seiner Arbeit mit Aphasikern sowie von autobiographischen Erlebnisdarstellungen in der Literatur. Die Ausführungen werden einfühlsam dargestellt· und im Hinblick auf ihre · kommunikative Bedeut­samkeit für die Betroffenen und ihre Angehörigen interpretiert. Die sich anschließenden Ausführungen zum Verständnis von Mensch und Leben sind stark theologisch orientiert. Damit wird der interdisziplinäre Charakter der Arbeit betont. Es werden wesentliche Informationen zum Begriff der Behinderung im Alten und Neuen Testament gegeben. Belege und Bibeltexte zum Leid des Menschen werden genannt. Sie dienen als Ausgangspunkt für spätere Erörterungen. So verweist der Aspekt der Seelsorge bei Aphasikern auf die vorher genannten Bei­spiele und geht auf das Wiedergewinnen von Sinn und Hoffnung ein. In der Seel­sorge geht es dabei um die Bewältigung von Lebenskrisen aus theologischer Perspektive. Folgerichtig. geht der nachfolgende Entwurf einer sprachheilpädagogischen Aphasietherapie auf den Aspekt der Bewältigung ein. Vor diesem Hinter­grund werden verschiedene Ansätze im Rahmen der Aphasietherapie reflektiert. Die theologischen Entsprechungen zu grundlegenden Auffassungen in der Sprachheil­pädagogik werden dabei akzentuiert und in besonderem Maße herausgearbeitet. Besonders wird dabei auf theologische Sinndeutungen eingegangen. Dabei werden die bisherigen Aussagen zum Leiden, Sinn und Hoffen wieder aufgenommen und vertieft. Sie dienen als Grundlage für den Entwurf einer Seelsorge bei Aphasikern. Das Verhältnis von Seelsorge und Psychotherapie wird dabei durch Unterschiede, aber auch Komplementarität gekennzeichnet. Der Autor ist dabei einerseits opti­mistisch: "Von der quälenden und unfruchtbaren Warum-Frage soll weggeführt werden zur Wohin-Frage" (S. 294). Andererseits verweist er darauf, daß es kein Leben ohne Leiden gibt. Grenzen gehören zum Leben dazu. Daraus ergibt sich ein dialektisches Verhältnis: "Seelsorge bei Aphasikern wird sich zwischen den Polen Aktivieren .und Akzeptieren bewegen" (S. 295).

Insgesamt wird mit dieser Schrift die gegenseitige Durchdringung von Seelsorge und Sprachtherapie zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum einer genaueren Ana­lyse unterzogen. Dem Autor kommt dabei seine praktische Erfahrung als Pastor in der Seelsorge bei Aphasikern entscheidend zugute. Dadurch ist es möglich, die in den praktischen Beispielen genannten Fragestellungen wie in einem roten Faden aus unterschiedlichen Perspektiven immer wieder aufzunehmen.

(Prof. Dr. M. Grohnfeldt)